Barock / Barockmusik
Barock" - Begriff für die Epoche von etwa 1600-1750 (etwa gleichlaufend
mit der europ. Geschichtsepoche des beginnenden Absolutismus)
- Frühbarock ca. ab 1570
- Hochbarock ca. bis 1680
- Spätbarock ca. bis 1750
Herkunft und Entstehung des Begriffs Barock"
- Zunächst wurde der Begriff hauptsächlich in der Baukunst gebraucht, in abwertendem
Sinne für alles Bizarre, unförmige, Ausladende
- aus der Architektur wurde die Bezeichnung auf die Musik und Literatur übertragen
- erst im 19. Jh. wurde der Stilbegriff Barock ins Positive gewendet
- im 20 Jh. wurde er zum Epochenbegriff erweitert
- die musikgeschichtliche Epoche nennt man treffender Generalbaßzeitalter"
oder Zeitalter des konzertierenden Stils"
Wie sah die geschichtliche Situation aus?
- Kämpfe der Großmächte um das europäische Gleichgewicht
- große Auseinandersetzungen zwischen Katholizismus und dem Protestantismus
- Aufkommen und Walten des fürstlichen Absolutismus
- Neuorientierung der Naturwissenschaften an empirischem Denken
Politische Verhältnisse in dieser Epoche
- 30jähriger Krieg
- Absolutismus in Staat und Kirche: Die Macht lag bei den Fürsten bzw. beim Papst oder
seinen Kardinälen
- Macht bedarf der Repräsentation: der italienische Barock entwickelte eine
Repräsentationsmusik in vorher nie gekanntem Maße: die Prunkform der Musik (dieser Stil
kam der Repräsentation von Hof und Kirche entgegen
- es gab auch Fürsten und Aristokraten die selber Musiker waren
- Künstler waren von Geldgebern abhängig
Merkmale der Barockkunst
- Barockkunst: wird heute vornehmlich als die Selbstdarstellung des Absolutismus
verstanden
- ausschließlich der Wille des Auftraggebers ist entscheidend
- Bk. = Repräsentationskunst , dient zur Bestätigung und Verherrlichung des
Machtanspruchs , und öffentliche Kunst in bis dahin noch nie gekanntem Ausmaß
Zweck jedes Kunstwerkes ist die Erregung der Affekte"
- in der Baukunst: theatralische Raumdynamik (voluminös, prunkvoll, ...) in der Musik
ebenfalls Raum (durch getrennte Aufstellung verschiedener Ensembles wird der Raum
akustisch erschlossen
- parallel zur illusionistischen Erweiterung des Raumes (durch große Wandgemälde mit
ausgebauter räumlicher Perspektive) entwickelte auch die Musik neue Dimensionen
(unterschiedliche Besetzung, getrennte Chöre)
- die Entfaltung einer farbenprächtigen Musik =Bedürfnis nach Prunk, Machtdarstellung,
starke Sinneseindrücke
Musikentwicklung Europas im Barock
- Barock = Zeit der italienischen Vorherrschaft in der Musik
- ital. Meister haben den Barock entwickelt und ihn in Europa durchgesetzt (Aufstieg
innerhalb einer Generation)
- seit etwa 1630 wurde Europa von italienischen Musikern überschwemmt
- überall (fürstliche Hochzeiten, politische Versammlungen, Theater) spielte man ital.
Kompositionen
- Italien: kommerzielles, öffentliches Musikwesen
- England : ab 18. Jh. entwickelte sich die höfische Musikpflege
- Frankreich: höfische Musikpflege
- Deutschland: höfische Musikpflege und weltliche Musikpflege
Barockmusik
- das Neue ist die Generalbaß-Monodie und die neue Musizierform des Concerto"
- franko-flämische Musik wurde von der Musik Italiens abgelöst (in Italien: Musik soll
die Dienerin des Textes sein und seine Aussage unterstreichen: Vokalpolyphonie
- Affektendarstellung (Melodik, Harmonik, Rhythmik, Tempostufung, Klangfarbe, Dynamik)
Forderung an Interpreten, singen und spielen con affetto"
- neues harmonisches Denken: statt gleichberechtigter Stimmen Dominanz der Außenstimmen
(Sopran und Baß)
- Mittelstimmen = klangfüllend
- Anzahl der Chöre steigen
- Ablösung der Kirchentöne (Modi) durch Dur und Moll im späten 17. Jh. und neue
Beziehung der Akkorde auf bestimmte tonale Schwerpunkte (Tonika, Dominante, Subdominante)
- Tactus" wird durch den moderneren Akzentstufen-Takt abgelöst
- Durchbruch des Orchesters im heutigen Sinn
- zunehmende Trennung von Komponist und Interpret
- Entstehung des Berufsmusikertums
Stellung des Musikers im Barock
- die hierarchische Ständeordnung beeinflußte auch die Stellung des Musikers
- höchstgestellter Musiker war der Hofkapellmeister an Höfen
- in den Städten gab es Kapellmeister (erlangten 1678 die 3. Stelle; neben Amtsmännern
hohen Sekretären
- er gelangte nicht durch eine Ausbildung, sondern durch besondere Leistungen in sein Amt
- Aufgaben: Chor- und Orchesterleitung; und er mußte in Uniform erscheinen
- nur an großen oder italienisierten" Höfen gab es ein Kammerorchester / an
kleinen Höfen mußte der Kapellmeister seine Kammermusik selbst ausführen
- Aufgaben der Kammermusiker: für Tafel- und Festmusik sorgen, Vorbereitungen und
Durchführung von Bällen, Aufzügen, Opern, Unterricht für die adeligen
Nachkommen, Hausmusik
- mit der Steigerung des höfischen Prunks wuchs die Bedeutung des Kapellmeisters / es gab
Ober- und Vizekapellmeister
- Komponisten gab es im 17./18. Jh. nicht; Kompositionen mußten Kapellmeister, Kantoren,
Organisten liefern.
- die musikalische Ausbildung begann beim Meister
- Fürsten und Städte sandten begabte Musiker nach Italien
- die meisten druckten ihre Werke auf eigene Kosten (durch Widmungen konnten sie mit
Geschenken rechnen)
- Verwendung fremder" Ideen war üblich
| protestantische Länder |
katholische Länder |
| Kantor |
Domkapellmeister / Präfekten |
| pädagogische Aufgaben |
lehrende Aufgaben in Orden |
| unterrichtete wissenschaftl. Fächer |
Ausbildung an Universitäten |
| Leitung des Schulchors |
erhalten baccalaurei" oder magister" / hohe Stellung
|
- im 17. Jh. erlebte die Orgelmusik einen Aufschwung
- Organisten hatten liturgische, künstlerische Musik und auch die sich allmählich
entwickelnde Kirchenkonzerte vorzutragen
- auf Cembalo und Clavichord spielten sie weltliche Musik Teile und Tänze zur Tafel und
zum Tanz
- an großen Kirchen erlangten sie hohe Ehren
- im 18. Jh. wurde der Organist zur Nebenstelle für Lehrer, Studenten,... / das Können
verflachte, die Anforderungen und das Ansehen gingen zurück
- im 16. Jh. gab es schon berühmte Instrumentalisten doch erst der neue Konzertstil schuf
den Virtuosen
- er spielte auf seinen Reisen an namhaften Höfen / viel Ruhm und hohe Stellung
- im 18. Jh. wurden sie durch hervorragendes Können zum Kammermusiker oder Konzertmeister
befördert oder als Kammervirtuose selbst zum Fürst oder Herren geadelt"
- der Ruhm der Instrumentalvirtuosen wurde nur noch von den Sängern übertroffen
- die Kastraten steigerten die Triumphe bis ins unermeßliche, sie erhielten höchste Ehre
/ Erhebung in den Adelsstand
- wurden als musico" und virtuoso" gesellschaftlich verachtet
- 10 Jahre dauerte das Gesangsstudium, ihre Lehrer waren im Allgemeinen sehr berühmt
- Hof und Pauker genossen besondere Vorzüge und standen im Offiziersrang
- der Tod musikliebender Fürsten hatte die Folge das die gesamte Kapelle entlassen wurde
- als Stadtpfeifer holte man zu allen Festen des städtischen und privaten Lebens, sie
spielten auf Hochzeiten, Bällen, begleiteten Umzüge ...; ihre Gegenspieler waren Trompeter
und Militärmusiker
- Krieg und Seuchen brachten die Stadtpfeifer um ihren Verdienst
- tiefste soziale Schicht: Bettelmusikanten, Savoyarknäblein und Drehleierspieler
Referenten: Felix Boenigk, Rut Leyener März
1998
Literaturverzeichnis: Unterrichtsmaterialien.
Sachwörterbuch der Musik", Eberhard Thiel,
1977
Epochen der Musikgeschichte",
dtv-Taschenbücher, 1974
Musik Lexikon", Riemann, 1967
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